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Flötentöne kommen aus Schöneck

 

Michael Lederer ist einer der letzten selbstständigen Instrumentenmacher  Schönecks. Er hat die Flötentradition seiner Ahnen wieder belebt.

Schöneck – Vor dem Hintergrund einer langen Familientradition stellt sich der Schönecker Flötenbauer Michael Lederer jetzt neuen Herausforderungen. Er hat als Hersteller tiefer Querflöten den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und will sich auf Alt- und Bassquerflöten spezialisieren.

Das Profil seiner Werkstatt hat eine lange Geschichte, fließen in ihr doch mehrere Traditionslinien deutschen Flötenbaus zusammen: Zum einen die Geschichte der Flötenbauerfamilie Lederer, die in 3 Jahren auf das 150. Jubiläum zurückblicken kann und bis heute fünf Generationen umfasst. Zum anderen die Entwicklung von Bassflöten durch Christian Jäger in München, die ohne Impulse aus dem Vogtland nicht denkbar wäre.

Fünf Generationen Flötenbau

Zwar stand die Stadt Schöneck im Instrumentenbau immer etwas im Schatten von Markneukirchen. Aber auch auf dem Balkon des Vogtland gab es schon vor mehr als 300 Jahren Geigenbauer, die 1730 eine eigene Innung gründeten. Vor allem jedoch Holzblasinstrumentenbauer wie G. H. Hüller, Flötenbauer Hans Reiner oder Klarinettenmacher Oskar Neidhardt und Eberhard Scherzer waren es, die dafür sorgten, dass Schöneck aus dem Schatten hervortrat und heute in Fachkreisen ein Begriff ist.

Großen Anteil daran hatte auch die Flötenbauerfamilie Lederer. Ihr Ahnherr Friedrich August Lederer (1839 – 1922) war der erste spezialisierte Holzblasinstrumentenmacher Schönecks. Sohn Karl August Lederer jun. (1866 – 1951) setzte die Firma fort. 1895 begann er als einer der ersten vogtländischen Meister mit der Herstellung von Boehmflöten. In der dritten Generation wirkte vor allem Erich Lederer (1908 – 1962). der seine Erfahrungen an Neffe Karl – Christian Lederer (1933 – 1992) weitergab.

Die Hoffnungen auf Fortführung der Werkstatt nach Wende und Wiedervereinigung erfüllten sich jedoch nicht, so dass Firma und Name 1994 vom Markneukirchnener Flötenhersteller Hammig übernommen wurden. Michael Lederer, der zweite Sohn von Karl – Christian Lederer, lernte 1988 bis 1990 bei seinem Vater und arbeitete dann bei den Firmen F. Arthur Uebel und Gebrüder Mönnig in Markneukirchen. Seit 1997 war er in seiner eigenen Werkstatt für die Markneukirchener Firma Gottfried Meinert tätig, mit der er bis heute gut zusammenarbeitet.

Als die Schönecker Lederer – Werkstatt ihre Selbständigkeit zunächst aufgeben musste, war die Flöten – Werkstatt der Firma Max Hieber in München der Inbegriff für die Herstellung kompletter Flötenfamilien, die bis zum Kontra- und Subkontrabass – Instrument reichte. das Münchener Musikhaus unterhielt seit 1973 einen eigenen Flötenbau, den Werner Wetzel (1910 – 1995), ein gebürtiger Markneukirchener, eingerichtet hatte. Nachfolger in der Werkstattleitung war ab 1981 Christian Jäger, der die Entwicklung extremer Baugrößen unterhalb der Bassflöte vorantrieb. Eine langjährige Freundschaft mit wesentlichen Impulsen für seine praktische Arbeit verband ihn mit Hans Reiner (1903 – 1982), dem bis heute bedeutensten Flötenbauer aus Schöneck.

Mit der Schließung der Werkstatt Hieber im Jahr 2000 zog sich Christian Jäger aus dem Flötenbau zurück. Sein Schüler und Mitarbeiter Herbert Neureiter hatte sich kurz zuvor in seiner Tiroler Heimat selbstständig gemacht und übernahm schließlich die Querflötenwerkstatt mit allen Werkzeugen und Modellen. Da Neureiter neben der Flöte sein Augenmerk vor allem auf die Klarinette richtete, kam es im Bereich tiefer Querflöten 2011 zur Kooperation mit Michael Lederer in Schöneck. Seither werden Alt- und Bassflöten unter dem Namen Neureiter – Lederer angeboten.

Know – How kehrt zurück

Die Zusammenarbeit führt nun dazu, dass Michael Lederer wieder das Gewerbe als selbsständiger Instrumentenmacher anmeldete. Um im Bereich der tiefen Querflöten eigene Akzente zu setzen, hat er von Neureiter auch die Metallwerkstatt der ursprünglichen Hieber – Manufaktur übernommen. Mit dem Tiroler arbeitet er weiter eng zusammen.

Lederer ist dabei sich das tiefe Flötensortiment zu erschließen. Gegenwärtig bietet er fünf Alt- und vier Bassflötenmodelle für den professionellen und solistischen Gebrauch, aber auch als Studenten- und Musikschul- Instrumente an.

Mit den tiefen Flöten kehrt in besonderer Weise auch vogtländisches Know – How zurück in die Heimat: Hans Reiner hatte hier in den 1960er Jahren mit dem Flötisten Otto Rühlemann die „Ballastfreie Boehmflöte“ entwickelt. Durch den verzicht auf aufgelötete Schienen und Ringe am Mittelstück wurde Gewicht gespart und eine Eigenresonanz des Silberrohres erreicht, die dynamische und flexible Tongebung ermöglichte. Hatte Hans Reiner dies nur bis zur Altflöte verwirklicht, so prägte das Detail in besonderer Weise später Arbeiten von Christian Jäger. Wenn nun Lederer bei seinen Flöten die Einzelmontage der Böckchen herausstellt, schließt sich der Kreis zu Hans Reiner.

Viele Gründe gibt des indes dafür, dass der Start in die Selbstständigkeit für Michael Lederer nicht mit der klassichen Boehmflöte, also der Spezialität seiner Vorfahren, verbunden ist: Der Markt für Solisteninstrumente bietet heute kaum die Möglichkeit, die es noch vor Jahrzehnten gab. Dennoch gibt es Nischen, in denen handwerkliche Erfahrung Zukunft haben wird, ist Michael Lederer überzeugt.

 

Quelle:

Freie Presse – Oberes Vogtland – Freitag, 10. August 2012 – Seite 10